BRITA Abfallvermeidung Plastikflasche Strand

Verhalten ist alles: Abfallvermeidung bei der Arbeit

BRITA interviewte Petra Hutner von der Universität Augsburg zum Thema Abfallvermeidung.

Zusammen mit dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz entwickelte die Universität Augsburg Richtlinien zur Abfallvermeidung für Behörden. Dieses Konzept kann größtenteils auch auf die meisten Unternehmen angewendet werden. Als Verantwortliche für das Projekt weiß Petra Hutner, wie wichtig es ist, die Einstellung zu Abfall zu verändern.

Können die Richtlinien für Behörden auch für Bereiche in Unternehmen angewendet werden?

Im Allgemeinen schon. Denn die meisten Regierungsstellen arbeiten wie ein Unternehmen, nur ohne den Aspekt der Produktion. Also gelten die Richtlinien für den öffentlichen und den privaten Sektor.

Abfallvermeidung ist langfristig effizienter als Recycling.

Was genau bedeutet Abfallvermeidung?

Die Definition variiert stark von Land zu Land. Im deutschen Gesetz fallen darunter alle Schritte, bevor ein Produkt tatsächlich zu Abfall wird. Wenn etwas entsorgt und später wiederverwendet wird (wie ein defekter, ausrangierter Kühlschrank, der repariert und dann wieder benutzt wird) – das sehen wir als eine Art Abfallvermeidung. Was zählt ist, ob etwas tatsächlich Abfall ist oder nur als Abfall angesehen wird.

Wieviel Wert wird Ihrer Meinung nach auf Abfallreduktion und ökologische Nachhaltigkeit gelegt?

Vor allem in Deutschland, glaube ich, wird eher über Umweltaspekte und Recycling nachgedacht als über Abfallvermeidung. Ein Beispiel: es wird sich viel mehr damit befasst, alternative Treibstoff-Quellen zu entwickeln, als Abfall zu vermeiden. In Ländern mit Systemen für einwandfreie Mülltrennung und Abfallentsorgung wird oft das Thema Abfallvermeidung außer Acht gelassen. Es wird angenommen, alles ist wieder zu verwerten.

BRITA Abfallvermeidung Frau im Büro mit Wasser

Mit der richtigen Einstellung gibt es viele Möglichkeiten, Abfall zu vermeiden. - Petra Hutner, Universität Augsburg

Ziele setzen und mit kleinen Schritten beginnen

Wie können Unternehmen ihre Abfälle reduzieren?

In der Herstellung können Unternehmen den Einsatz giftiger Stoffe und bedenklicher Metalle begrenzen. Verbraucher können Geräte länger benutzen und LED-Lampen einsetzen. Am Ende des Lebenszyklus eines Produktes kann es repariert werden, statt es einfach wegzuwerfen. Drucker gemeinsam zu nutzen ist eine weitere Möglichkeit.

Wie lauten Ihre Empfehlungen für Unternehmen?

Zunächst gemeinsame Ziele setzen und alle Abteilungen mit einbeziehen. Nur mit klaren Zielvorgaben kann ein Unternehmen wirksame Richtlinien erstellen und den Erfolg sehen.

Welchen Rat können Sie Firmen geben, die den ersten Schritt unternehmen wollen?

Papier sparen sowie doppelseitig und schwarz-weiß zu drucken, sind zwei Möglichkeiten für den Anfang. Wasserspender sind ein weiteres, großartiges Beispiel. Mitarbeiter können einfach ihre Gläser oder Flaschen nach Bedarf auffüllen. Wasserspender vermeiden Kosten für abgefülltes Wasser sowie Abfall durch Herstellung, Transport und Entsorgung von Kunststoff-Flaschen.

Petra Hutner, Universität Augsburg

BRITA Abfallvermeidung Petra Hutner

Petra Hutner studierte Geografie und Umweltethik. Sie arbeitet an der Universität Augsburg als Mitglied einer Forschungsgruppe für Ressourcenstrategie sowie Production & Supply Chain Management.

Was Abfallvermeidung kostet und wie Unternehmen davon profitieren

Was wird benötigt, um damit zu beginnen?

Den Willen dazu und gemeinsames Verständnis. Es ist sehr wichtig, Entscheidungsträger dabei zu unterstützen, mit gutem Beispiel voranzugehen. Nachhaltigkeit ist als langfristiges Ziel anzulegen. Wir empfehlen Mitarbeiter-Schulungen, um das Verhalten langfristig zu ändern.

Wie wichtig ist der Wechsel von Plastikflaschen zu Wasserspendern?

Um bei den Mitarbeitern das Bewusstsein für Abfallvermeidung zu stärken, sind sichtbare Veränderungen entscheidend, wie Wasserspender. Dadurch wird diese wertvolle Ressource mehr geschätzt und eine umweltfreundliche Alternative zu Einwegflaschen geboten.

Ist Abfallvermeidung teuer?

Die Investition hängt immer vom jeweiligen Konzept und der Realisierung ab. Ein Wechsel zu LED-Lampen bringt sicherlich finanzielle Kosten mit sich, Druckereinstellungen zu ändern, ist weniger kostspielig. Wasserspender haben zwar höhere Vorlaufkosten, führen jedoch zu langfristigen Einsparungen. Ganz einfach, weil keine Plastikflaschen mehr gekauft werden müssen. Generell gesagt, zahlen sich alle Kosten für die Nachhaltigkeit auf lange Sicht aus.

Wie profitieren Unternehmen von der Abfallvermeidung?

Nachhaltige Verfahren inklusive Abfallvermeidung, wirken sich positiv auf das Image des Unternehmens aus. Zudem kann sich der Kunden-Service verbessern. Zum Beispiel können Unternehmen mit Wasserspendern, Kunden und Geschäftspartnern frisches stilles oder sprudelndes Wasser anbieten. Und Glasflaschen mit dem Firmenlogo stärken die Corporate Identity.